Schuld an Schmerzen - Zwei Drittel der Deutschen haben schiefes Becken

Zu 100 Prozent symmetrisch ist kaum ein Mensch. Ein leichter Beckenschiefstand ist harmlos und selten spürbar. Ist die Schieflage aber ausgeprägt, sind Schmerzen vorprogrammiert. Dann muss der Orthopäde helfen – und Sie sollten selbst aktiv werden, um Hüfte, Wirbelsäule oder Knie vor Schäden zu bewahren.

Wer genau hinsieht, kann einen Beckenschiefstand mit bloßem Auge erkennen. Dann sitzen Hautfalten und Grübchen am Rücken nicht auf gleicher Höhe oder sie sind unterschiedlich tief. Die Schulter fällt auf einer Seite etwas mehr ab. Oder die Kniescheiben sind nicht ganz parallel.

Solche Auffälligkeiten stechen allerdings nur bei stärkerem Beckenschiefstand hervor, der den Betroffenen dann oft auch Beschwerden bereitet. Von den hierzulande auf 50 Millionen geschätzten Menschen mit schiefen Hüften trifft das auf etwa ein Drittel zu. Die meisten anderen merken nichts, weil die Schräglage nur minimal ist.

Beschwerden werden oft nicht in Zusammenhang mit dem Becken gebracht. Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, in den Schultern, im Nacken, den Knie- oder Sprunggelenken können schließlich auch andere Ursachen haben. Und bei Kopf- und Kieferschmerzen denken teilweise noch nicht einmal Orthopäden sofort an das Becken als Ursprung der Probleme.

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  • Ursache sind unterschiedlich lange Beine

Genau genommen ist schon das schiefe Becken die Folge einer anderen Asymmetrie. Denn die häufigste Ursache für einen Beckenschiefstand sind unterschiedlich lange Beine. Liegt die Differenz bei einem Zentimeter oder mehr, kippt jeder Schritt das Becken aus seiner normalen Position.

Auf Dauer führt dies zu muskulärer Dysbalance, Bewegungseinschränkungen und Haltungsschäden. Häufig kommt es als Folge des schiefen Beckens sogar zu einer seitlichen Krümmung der Wirbelsäule (Skoliose). Wenn dann immer wieder Rücken- oder Gelenkschmerzen auftreten, erfahren die meisten Betroffenen erst beim Orthopäden von ihrer Beinlängendifferenz.

Orthopäde diagnostiziert Ursache, Ausmaß und Folgeschäden des Beckenschiefstands

Den Beckenschiefstand kann der erfahrene Orthopäde mit einem Blick diagnostizieren, auch für die Beinlängendifferenz oder die Skoliose braucht er keine Geräte. Aufwendiger ist die Beurteilung von Folgeschäden durch jahrelanges Ungleichgewicht. Das kann von Schmerzen und Verspannungen – bei Frauen öfter im Halswirbelbereich, bei Männern mehr an den Lendenwirbeln – bis zu Arthrose im Hüftgelenk oder im Knie reichen.

Dementsprechend wird der Arzt therapeutische Maßnahmen empfehlen.

So rücken Sie das Becken bei ungleichen Beinen gerade

Der Mediziner unterscheidet die „reelle Beinlängendifferenz“ (ein Bein ist tatsächlich kürzer gewachsen) von der „funktionellen“ (etwa durch verkürzte Muskeln oder Arthrosen in Knie und Sprunggelenk).

  • Beträgt die Differenz höchstens einen Zentimeter, sind oft individuell angefertigte Schuheinlagen hilfreich.
  • Bei Unterschieden von bis zu drei Zentimetern haben sich erhöhte Schuhsohlen bewährt.
  • Alternativ oder bei einer noch größeren Differenz bleibt nur eine korrigierende Operation.

Bei der funktionellen Beinlängendifferenz haben sich die in etwa gleich langen Beine nur leicht „verschoben“, etwa durch verkürzte Muskelgruppen im Oberschenkel oder Hüftbereich. Dann bringen Krankengymnastik oder auch die Beseitigung der Blockaden durch Osteopathie den Längenausgleich und rücken das Becken wieder gerade.

Besonders wichtig ist die Kräftigung der richtigen Muskeln, weil diese bei einem Beckenschiefstand sehr einseitig belastet werden. Regelmäßige Gymnastik kann die neu aufgebaute Muskulatur auf Dauer erhalten. Zwei- bis dreimal pro Woche sollten Betroffene trainieren. Dabei ist es wichtig, dass die Rücken- und die Bauchmuskulatur gekräftigt wird, weil sie den Beckenring von beiden Seiten halten.

Mit regelmäßigen Dehnübungen kann jeder Patient dauerhaft dafür sorgen, dass sich der Beckenschiefstand nicht verstärkt. Das Stretching sollte täglich erfolgen.

Quelle: © FOCUS ONLINE | 18.10.2019

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